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Doch schon einiges erlebt

Aktualisiert: 10. Jan.

Wenn man mich fragt, ob mein Lebenslauf „geradlinig“ ist, muss ich schmunzeln. Gerade Linien haben mich ehrlich gesagt noch nie besonders interessiert. Mein Weg war eher so wie ein guter Spaziergang ohne Navi: Man weiß ungefähr, wohin man will, bleibt aber auch mal stehen, biegt ab, wundert sich – und kommt am Ende trotzdem irgendwie und irgendwo an.


Begonnen hat alles sehr solide und vernünftig. Matura an der Handelsakademie Mistelbach, danach ein langer Abschnitt als EDV-Techniker im Rechenzentrum bei der Bank Austria. Fast zwanzig Jahre habe ich dort verbracht, mit Computern, Systemen und Fehleranalysen. Rückblickend war das eine erstaunlich gute Vorbereitung auf meine heutige Arbeit. Denn auch Menschen „funktionieren“ manchmal nicht so, wie sie gerne würden, stürzen ab, hängen sich auf oder laufen in Endlosschleifen. Und auch hier hilft es selten, einfach nur schneller auf die Tastatur zu klopfen.


Während ich beruflich mit Technik beschäftigt war, zog es mich innerlich immer stärker zu den großen Fragen. Warum fühlen wir, wie wir fühlen? Warum wiederholen sich bestimmte Muster? Warum wissen wir oft genau, was uns nicht guttut – und tun es trotzdem? Diese Neugier hat mich über viele Jahre in unterschiedliche Ausbildungen geführt, von Körper- und Energiearbeit über systemische Zugänge bis hin zu Bewusstseinsarbeit. Nicht, weil ich alles sammeln wollte, sondern weil ich verstehen wollte. Mich selbst zuerst – und dann andere.


2012 habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und begann, intensiv mit Menschen zu arbeiten. In Einzelsettings, Gruppen, Seminaren, Gesprächen. Diese Jahre waren unglaublich lehrreich. Sie haben mir gezeigt, wie viel Mut es braucht, sich selbst ehrlich zu begegnen, und wie entlastend es ist, wenn man dabei nicht bewertet wird. Vor allem haben sie mir eines klar gemacht: Ich möchte Menschen nicht „reparieren“, sondern sie dabei begleiten, wieder Zugang zu ihrer eigenen Kraft zu finden.


Mit dem psychotherapeutischen Propädeutikum und später dem Fachspezifikum in Existenzanalyse und Logotherapie bekam all das einen fachlich klaren Rahmen. Dieser Ansatz hat mich überzeugt, weil er den Menschen ernst nimmt – mit seinen Fragen, seinen Widersprüchen und seiner Freiheit. Es geht nicht darum, perfekt zu funktionieren, sondern stimmig zu leben. Und manchmal bedeutet das eben auch, Umwege anzunehmen und dem eigenen Leben eine neue Richtung zu erlauben.


Heute arbeite ich als Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision, bin Integrationstrainer für Jugendliche mit psychischen Herausforderungen, Familienvater von vier Kindern und Musiker, der weiß, wie heilsam ein gutes Lied oder ein ehrliches Lachen sein kann. Ich habe gelernt, dass menschliche Abgründe dazugehören, dass Krisen nichts Unnormales sind und dass Humor oft dort entsteht, wo man sich selbst nicht mehr ganz so ernst nehmen muss.


Ja, ich habe schon einiges erlebt. Beruflich, persönlich, innerlich. Und genau das ist es, was ich heute mitbringe: Erfahrung, Neugier, Respekt vor jedem Lebensweg – und die Überzeugung, dass Veränderung möglich ist. Nicht immer laut, nicht immer schnell, aber oft genau dort, wo man beginnt, sich selbst wirklich zuzuhören.




Hannes Wiesinger Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision

Tel: 0680 55 33 930

 
 
 

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